Grußwort der Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Christine Clauß
anlässlich des 20jährigen Jubiläums der Frauen Union Leipzig


Liebe Cornelia Blattner, meine Damen, meine Herren,

es ist Frühling. Das sieht man selbst an einem grauen Tag wie heute - ganz besonders an einem herrlichen Tag wie heute.
Welche Farbe hat für Sie der Frühling? Für mich ist es Gelb.

Das Gelb des Löwenzahns nämlich, der ganze Wiesen gelb malt und zeigt, dass mit unglaublicher Kraft etwas Neues beginnt.
Der Löwenzahn symbolisiert Kraft und Zähigkeit, und Wandlungsfähigkeit.
Deswegen ist er das Symbol des Sächsischen Gründerinnenpreises für Unternehmerinnen, die den Sprung in die Selbständigkeit wagen. Einmal im Jahr verleihe ich diesen Preis.

Ich verleihe diesen Preis gern und mit viel Respekt; denn eine Existenzgründung verlangt
Kraft, Zähigkeit, Wandlungsfähigkeit und viele andere Dinge.Ein gutes Konzept zum Beispiel und die Fähigkeit, dieses Konzept auch offensiv zu verteidigen.
Die Offensive ist leider nicht immer die Stärke von uns Frauen.
Viel zu oft lassen wir uns von unseren guten Konzepten abbringen.

Umso mehr freue ich mich, heute in einer Runde zu sein, die sich nicht von ihren Konzepten abbringen lässt.
Im Gegenteil: Sie, meine Damen, haben vor zwanzig Jahren mit der Gründung der Frauen Union Leipzig etwas Neues begonnen; seither Zeit, Kraft und viel Engagement investiert! Auch Sie hätten einen Preis verdient.

Und wenn ich könnte, würde ich viel häufiger und viel mehr erfolgreiche, engagierte Frauen mit einem Gründerinnenpreis auszeichnen.
Denn der Sächsische Gründerinnenpreis ist mehr als eine Belohnung für eine erfolgreiche Frau.
Der Preis soll auch nicht nur zeigen, dass es sich lohnt, den Weg in die Selbständigkeit zu gehen.
Er soll andere Frauen motivieren, zu ihren Ideen und Konzepten zu stehen.

Und er soll Mut machen, denn nicht nur der Weg zu einem eigenen Unternehmen ist steinig und mühsam.
Noch immer wagen viel zu wenige Frauen diesen Weg.
Aber meine Damen, wir sind auf einem guten Weg:
Vieles, was vor einhundert Jahren auf der Tagesordnung der Gleichberechtigung stand, ist heute selbstverständlich.

Frauen sind gleichberechtigt, Frauen haben die besseren Schulabschlüsse, Stellenausschreibung sind „gegendert“ [gedschendert], wir haben eine Bundeskanzlerin, sind Fußballweltmeisterinnen.
Wenn im nächsten Jahr der 100. Internationale Frauentag ansteht, haben wir einen guten Grund zu feiern.
Trotzdem, vieles von dem, was auf dem Papier steht, ist im Alltag und in den Köpfen noch immer nicht ganz angekommen.

Weil es noch immer zu wenig Männer gibt, die sich um Kinder und Familie kümmern und zu wenig Frauen, die in Leitungspositionen sitzen.
Wir brauchen die Selbstverständlichkeit, dass nicht nur „sie“ die Firma, sondern auch „er“ den Kinderwagen lenkt.
Aber ich freue mich, dass wir seitens der Politik in den vergangenen Jahren viel dafür tun konnten, dass Väter für ihre Familien da sein und Mütter ihren beruflichen Weg gehen können. Und nicht nur das!

Das Engagement von Frauen bereichert unsere Gesellschaft.
Frauen sind Trainerinnen, ehrenamtlich unterwegs in Vereinen, Verbänden, Parteien! Sie engagieren sich für Migranten, Menschen mit Behinderungen, sie pflegen, organisieren und koordinieren.
Frauen haben ihre eigene Strategie, Beruf, Familie und Engagement unter einen Hut zu bekommen.

Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich in Zukunft häufiger hören könnte, dass hinter erfolgreichen Frauen ihre Männer stehen, die ihnen den Rücken freihalten, sie unterstützen und ihnen auch mal was zu essen hinstellen.
Eine solche Unterstützung, meine Damen, kann nicht staatlich verordnet werden.
Aber der Freistaat Sachsen kann gute Beispiele bekannt machen – und darin sehe ich meine Aufgabe, wie mit der Auszeichnung erfolgreicher Unternehmerinnen mit dem Gründerinnenpreis.

Mut, Selbstvertrauen, Kraft, Ausdauer, Engagement – das sind nur einige Voraussetzungen; nicht nur für eine erfolgreiche Existenzgründung.
Aber das wissen Sie, meine Damen, am besten. Die Frauen Union Leipzig ist eine erfolgreiche Existenzgründung und profitiert seit zwanzig Jahren von den Ideen und Konzepten engagierter Frauen.
Ich freue mich heute bei Ihnen zu sein und gratuliere Ihnen herzlich zum „20.“
Vielen Dank.